In diesem Bericht möchte ich die während der Feldsaison 2025 durchgeführten Tätigkeiten des von der Universitätsstiftung geförderten Projekts „Proyecto Epigráfico
Hix Witz", das Teil meiner Promotion an der Abteilung für Altamerikanistik der Universität Bonn ist, zusammenfassen. Dieses Projekt verfolgt das Ziel, das Wissen über die Geschichte eines wichtigen Königreichs der Klassischen Mayaperiode durch die Dokumentierung und Analyse hieroglyphischer Inschriften zu erweitern.
Das sogenannte Königreich von Hix Witz - oder übersetzt des „Jaguarhügels" - war ein bisher wenig erforschtes Königreich im Nordwesten des Petén Departments (Guatemala). Bisher wurden vor allem die archäologischen Stätten Pajaral und Zapote Bobal als Sitze dieses Königreichs identifiziert. Ziel der Feldsaison im Jahr 2025, die vom 1. Mai bis zum 7. Juni stattfand, war die Dokumentierung aller in den Stätten Pajaral und Zapote Bobal zugänglichen Monumenten. Zudem wurden einige der Monumente, die nach Abschluss des vorherigen archäologischen Projekts („Proyecto Petén Noroccidente"), welches von 2004 bis 2006 in Zapote Bobal arbeitete, wieder vergrabenen Monumente wieder ausgegraben, um sie zu dokumentieren.
Unser Team bestand, neben mir in Funktion der Projektleiterin, aus einer guatemaltekischen Co-Direktorin, Mónica De León Antillón, zwei Techniker*innen für die Ausgrabungen, Ivannoe Fajardo und Mayra Álvarez, einem Restaurator zum Umdrehen der Monumente, Mario Gutierrez, zwei Praktikantinnen, Daleth Cuté von der Universidad de San Carlos und Anastasiia Lupadina von der Universidad Del Valle, sowie einem Fotografen, Alejandro Garay Herrera. Zudem unterstützten uns die sechs Grabungshelfer Mateo Vásquez, Alejandro Reyes Barrientos, Ramiro de la Cruz, Mario Rene Amaya Sánchez, Walter Pérez und Edgar Simón Paredes aus dem Dorf Nueva Vista Hermosa, sowie unsere Köchin, Gregoria Dubón Alvarado, und ihre Helferin, Kyli Yamileth Camajá Rodríguez.
Am 29. April kamen wir in Nueva Vista Hermosa, dem Dorf nahe der Stätte Zapote Bobal, an und begannen am 1. Mai mit den Arbeiten in der Stätte. Die erste Phase des Projekts beschäftigte sich mit den Monumenten in der „Plaza Principal", wo wir insgesamt fünf Stelen ausgruben. Dies brachte teils erhebliche Schwierigkeiten mit sich, da einige der Monumente sich in einem lehmartigen Boden befanden, der die Ausgrabung verzögerte. Zudem waren dicke Wurzeln der umstehenden Bäume über manche Monumente gewachsen, die wir erst nach Autorisierung durch die Behörden entfernen konnten. Im zweiten Teil des Projekts gruben wir fünf weitere Stelen in der Gruppe „El Cementerio/ Grupo Ritual Central" von Zapote Bobal wieder aus. Auch dies gestaltete sich schwierig, da der Boden hier noch lehmartiger war als in der Plaza Principal, was ebenfalls mehr Zeit in Anspruch nahm als ursprünglich geplant.
Parallel zu diesen Arbeiten bereitete der Restaurator Mario Gutierrez ab Mitte Mai die Formulare zur Evaluierung des Zustands der Monumente vor. Dies war eine Auflage vom „Instituto de Arqueología e Historia" (IDAEH), um sicherzustellen, dass ein Umdrehen nicht zur Beschädigung der Monumente führen würde. Im Folgenden bereitete Herr Gutierrez das Holzgerüst vor, an dem die Seilzüge, Seile und Riemen befestigt wurden. Leider war es uns nicht möglich, alle vorgesehenen Monumente umzudrehen. Aufgrund der Fragilität einiger Monumente und aus Zeitgründen gelang es uns nur, drei Fragmente von Stelen umzudrehen sowie eine der Stelen anzuheben, um die Rückseite ansehen zu können.
Ende Mai schloss sich Alejandro Garay als Fotograf dem Projekt an. Zusammen nahmen wir Tages- und Nachtfotos der Monumente in Zapote Bobal auf. Zudem hatte ich bereits vor seiner Ankunft Fotos für Photogrammetrie aufgenommen, die dann durch seine ergänzt wurden. Außerdem verbrachten wir drei Tage und zwei Nächte in der Stätte Pajaral, um Tages- und Nachtfotos aller Monumente aufzunehmen. Dabei begleitete uns die Technikerin Mayra Álvarez zur Ausgrabung eines Fragments von Stele 9 der Stätte. Während dieser Besuche ist es uns gelungen, zwei Stelen und weitere Fragmente in Gruppe D von Pajaral wiederzuentdecken, die zuletzt im Zuge des Projektes „Petén Noroccidente-La Joyanca" im Jahr 2000 dokumentiert wurden. Diese Monumente sind sehr interessant, da zwei der Stelen einen Glyphentext enthalten. Außerdem fanden wir zwei neue Fragmente mit Hieroglypheninschrift und eine Stele in Gruppe D, die eine stehende Person zeigt, die in einem sehr ungewöhnlichen Stil dargestellt ist, mit möglicherweise zwei Schlagsteinen in den Händen. Diese Monumente waren vorher nicht bekannt. Insgesamt dokumentierten wir in Pajaral neun Stelen und drei Altäre, sowie weitere Fragmente.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Feldsaison sehr produktiv war und wesentliche Feldarbeiten für mein Projekt erfolgreich umgesetzt werden konnten. Trotz
zum Teil widriger Umstände vor Ort wurde ein Großteil der geplanten Dokumentationsarbeit durchgeführt. Die gewonnenen Daten bilden die Grundlage für meine Dissertation, deren Schreibprozess im kommenden Jahr im Fokus stehen wird. Ich danke der Universitätsstiftung herzlich für ihre Unterstützung und das mir entgegengebrachte Vertrauen. Ohne die finanzielle Unterstützung wäre das Projekt in dieser Form nicht möglich gewesen.
Ein Bericht von Marie Botzet