„Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.“ - Dieses Zitat aus „Wilhelm Meisters Lehrjahre" von Johann Wolfgang von Goethe hat selbst mehr als zweihundert Jahre nach seiner Entstehung nichts von seiner Aktualität verloren und galt auch für unseren Besuch in London. Die Teilnahme an der Philip C. Jessup International Law Moot Court Competition ist in vielerlei Hinsicht eine prägende und besonders lehrreiche Erfahrung. Im Mittelpunkt stehen dabei sowohl die Ausarbeitung eines Schriftsatzes im Bereich des Völkerrechts als auch das mündliche Vortragen und Verteidigen der eigenen Argumente.
Unsere Reise nach London bot uns die wertvolle Gelegenheit, hilfreiche Hinweise für den Wettbewerb zu erhalten und zugleich spannende Gespräche mit Expertinnen und Experten des Völkerrechts zu führen. In London trafen wir fünf Anwälte, die an diesem Abend die Richterbank besetzen sollten. Zu unserer großen Freude verfügten sie alle über umfangreiche „Moot-Court-Erfahrung", größtenteils im Rahmen des Jessup Moot Courts. Die simulierte Gerichtsverhandlung erwies sich als außerordentlich wertvoll. Aufgrund der großen Erfahrung der Richter im Völkerrecht wurden uns besonders anspruchsvolle und teils knifflige Fragen gestellt, die es möglichst überzeugend zu beantworten galt. Ebenso hilfreich war das anschließende Feedback, das unseren Vortragsstil nachhaltig prägte und uns wichtige Impulse für den Wettbewerb gab.
Am darauffolgenden Tag reisten wir gemeinsam nach Cambridge. Dort hatten wir zunächst die Gelegenheit, mit Dr. Jamie Trinidad zu sprechen, der in Cambridge Völkerrecht lehrt und regelmäßig vor internationalen Gerichten auftritt. Das Gespräch bot uns faszinierende Einblicke in die Praxis des Völkerrechts und verdeutlichte zugleich, wie aktuell und relevant die Fragestellungen sind, die unserem Wettbewerbsfall – einem fiktiven internationalen Konflikt – zugrunde liegen.
Im Anschluss nahmen wir an einer „Lunch Lecture" im Lauterpacht Centre for International Law teil. Der Vortrag mit dem Titel „Russia, the Soviet Union, and Imperial Continuity in International Law“ wurde von Lauri Mälksoo gehalten und bot interessante historische und rechtliche Perspektiven auf Fragen der Staatenkontinuität im Völkerrecht. Daraufhin führte uns der Doktorand Yunus Emre Gül durch Cambridge und gab uns spannende Einblicke in die traditionsreiche Universitätsstadt. Unter anderem bekamen wir die Gelegenheit, einige der berühmten Colleges von innen zu besichtigen.
Ohne die Förderung durch die Universitätsstiftung wäre unsere Reise nach London nicht möglich gewesen. Als diesjähriges Team der Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn in der Philip C. Jessup International Law Moot Court Competition möchten wir der Universitätsstiftung daher unseren ganz herzlichen Dank für ihre großzügige Unterstützung aussprechen.
Ein Reisebericht von Sandra Werther und dem Jessup Moot Court Team der Uni Bonn