Wir sind nicht allein! Wenn es ein Learning gab, dass ich von der SOPhiA 2025, die vom 3.-5. September 2025 in Salzburg stattfand, mitnehmen konnte, dann dieses. SOPhiA, das steht für Salzburgiense Concilium Omnibus Philosophis Analyticis. Hinter dem Namen verbirgt sich ein Format, welches in diesem Jahr bereits in die dritte Runde ging und den Anspruch hat, graduierte und postgraduierte Studierende zusammenzubringen, die sich der „methodical limitation to the tradition of Analytic Philosophy by usage of clear language and comprehensible arguments“ verpflichtet fühlen, wie die Veranstalter*innen der Philosophischen Fakultät der Universität Salzburg schreiben. Zugleich aber ist die Konferenz thematisch weit gefächert und ermöglicht es allen Teilnehmenden, ihre derzeitigen Forschungsprojekte vorzustellen und zu diskutieren. Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten, an Plenarvorträgen renommierter Forscher*innen teilzunehmen und Workshops zu besuchen, die aktuelle Debatten in der analytischen Philosophie in multiperspektivischer Absicht betrachten.
Auch, wenn die dreitägige Konferenz, an der fast 100 Personen teilnahmen, damit gut gefüllt war, beeindruckte die Vielzahl an vorgestellten Projekten und innovativen Denkanstößen, wobei sich nicht nur in der Diskussion, sondern auch in verschiedenen persönlichen Gesprächen überraschende Verbindungen und spannende neue Horizonte erschlossen werden konnten.
Dies gilt auch für mein eigenes in diesem Rahmen vorgestelltes Projekt, das versucht, das Phänomen Shitstorms philosophisch als Kollektivphänomen angemessen zu fassen und hiervon ausgehend ein analytisches Instrumentarium zu entwickeln, mit dem die Limitierungen von Social-Media-Plattformen angemessen beschrieben werden können. Ich profitierte von kritischen Nachfragen ebenso wie von den zahlreichen Vorträgen, die ebenfalls versuchten, aktuelle (Zeitgeist-)Phänomene philosophisch angemessen zu beschreiben.
Ebendies war für mich eine weitere wichtige Erinnerung: Die „Arbeit am Begriff“, das Ringen um das angemessene Erfassen eines Phänomens und eine stringente Argumentation sind wichtig, um selbiges einzuordnen und im Zweifel auch kritisieren zu können: Ich kann den Schaden, der durch Shitstorms erzeugt wird, erst verstehen, wenn ich beschreiben kann, was derselbe eigentlich ist. Zugleich müssen sich diese Vorschläge in der Diskursgemeinschaft von Mitforschenden und - lernenden beweisen: Philosophie wird eben nicht im sprichwörtlichen „stillen Kämmerchen“ betrieben, sondern auch und gerade im Dialog mit Anderen. Gerade darum sind Konferenzformate wie die SOPhiA so wichtig – sie bieten nicht nur Raum für Austausch, sondern verweisen auch stets darauf, dass Philosophie nicht um sich selbst kreist, sondern weiterführende Erklärungsansätze liefern kann.
Diese Tage intensiven Austausches und Weiterdenkens waren für mich nur dank eines großzügigen Reisekostenzuschusses der Bonner Universitätsstiftung möglich, wofür ich mich herzlich bedanken möchte.
Ein Bericht von Tobias Lipinski