19. Januar 2026

Mit der Bonner Universitätsstiftung in Slowenien Mit der Bonner Universitätsstiftung in Slovenien

Dilara Diegelmann promoviert an der Abteilung für Philosophie der Universität Bonn. Vom 22. bis 24. September 2025 nahm sie in Ljubljana an der internationalen Konferenz „ENRIO 2025“ zum Thema Forschungsintegrität teil, die sich unter anderem mit Formen von Diskriminierung in der Wissenschaft sowie mit Herausforderungen internationaler und kollaborativer Forschung befasste. In ihrer Dissertation untersucht sie epistemische Ungerechtigkeiten in der philosophischen Wissensproduktion, insbesondere in der Umweltethik. Dabei verbindet sie philosophische Analyse mit sozialwissenschaftlichen Ansätzen und setzt sich für eine Diversifizierung des Kanons und die respektvolle Einbindung indigenen Wissens ein. Auf der Konferenz präsentierte sie die ersten Ergebnisse ihres Promotionsprojekts. Ermöglicht wurde ihre Teilnahme durch die Förderung aus Mitteln des Geschwister Inge Doris Reitmeister und Margarete Flamme-Stiftungsfonds. In einem Reisebericht teilt Dilara ihre Eindrücke von der Tagung und ihrem Aufenthalt in Ljubljana.

ENRIO 2025
ENRIO 2025 © Dilara Diegelmann
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Dank der Förderung der Bonner Universitätsstiftung konnte ich vom 22. bis 24. September 2025 am ENRIO Congress on Research Integrity Practice in Ljubljana teilnehmen.

Der erste Konferenztag begann mit einem Satelliten-Workshop, in dem mehrere europäische Projekte vorgestellt wurden, die Forschungsintegrität – also die Einhaltung wissenschaftlicher Standards und guter Praxis – stärken sollen. Besonders interessant war für mich, aufgrund meines Fokus auf Umweltethik, das Projekt RE4GREEN, das sich damit beschäftigt, wie Forschung ökologisch nachhaltiger gestaltet werden kann. Ebenfalls wertvoll war die Begegnung mit einer Organisatorin des Symposiums „Research Ethics in Nature, Environment and Indigenous Research“, da mein Promotionsprojekt untersucht, wie indigene Umweltperspektiven respektvoll in akademische Debatten integriert werden können. In einer Podiumsdiskussion zu „Resilienz von Forschungssystemen“ wurde zudem deutlich, wie Forschungsfelder wie Umweltethik, Gender Studies oder Forschung zu sozialen Ungerechtigkeiten zunehmend unter politischen Druck geraten – ein Thema, das direkt an meine Arbeit zu epistemischen Ungerechtigkeiten anschließt.

Am zweiten Tag standen Keynotes zum Thema Machtdynamiken in der Wissenschaft im Mittelpunkt. Roman Kuhar vertiefte das bereits am Vortag aufgekommene Thema rechter Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit. Der Fokus lag dabei auf den jüngsten Entwicklungen in Europa. Es wurde verdeutlicht, wie ökonomische, kulturelle und epistemische Prozesse zusammenhängen und auf Phänomene wie patriarchale Identitätspolitik, „Equality Fatigue“ und Distrust in Science eingegangen. Marcela Linkova zeigte im Anschluss daran auf, dass Machtmissbrauch im universitären System marginalisierte Personen besonders stark trifft und wie dem durch einen Wechsel von „reactive“ zu „proactive approaches“ entgegengewirkt werden kann. Besonders eindrücklich war auch ein Beitrag von Jean-Pascale van Ypersele, der Parallelen zwischen den aktuellen ökologischen Krisen basierend auf seiner Arbeit am IPCC und dem ersten Vortrag zog. Zudem hat er eindrucksvoll bestehende „obstacles to justice“ anhand seiner eigenen Erfahrungen als Whistleblower an seiner Universität in Bezug auf Genderungerechtigkeiten herausgearbeitet. Bei den Poster Vorstellungen gefiel mir besonders eine Übersicht von Bert Seghers über verschiedene Akteur*innen im Wissenschaftsbetrieb, die mit der Forderung in meiner Dissertation übereinstimmt, dass Ungerechtigkeiten im akademischen System sowohl auf individueller, institutioneller, nationaler, europäischer als auch globaler Ebene angegangen werden müssen. Nachmittags nahm ich an einer weiteren Session zu Machtmechanismen teil. Darin wurden verschiedene implizite Formen der Einflussnahme auf und (Selbst-)Zensur von Forschung sowie damit zusammenhängende problematische Dynamiken an Universitäten – etwa „gossip power“ als Form des Mobbings – angesprochen. Besonders eindringlich sprach Krishma Labib über das Schweigen vieler Forschender zu bekannten Missständen aus Angst um die eigene Karriere. Diese Diskussionen machten deutlich, wie eng Wissensproduktion und politische Rahmenbedingungen miteinander verflochten sind.

Am dritten Tag habe ich zunächst erneut eine Ergebnisvorstellung von RE4GREEN besucht und daraufhin an „Power Dynamics 2“ teilgenommen. Im Rahmen von Letzterem präsentierte ich erste Ergebnisse meiner Dissertation. Unter dem Titel „Diversifying Philosophy with Methods from the Social Sciences“ stellte ich die Frage, wie indigene Perspektiven in der Umweltethik berücksichtigt werden können, ohne dabei einer ungerechten epistemischen Aneignung zu verfallen – und wie dies mit Forschungsintegrität verknüpft ist. Mein Vortrag knüpfte inhaltlich an viele Debatten der Vortage an, was spannende Rückmeldungen und Diskussionen ermöglichte.

Insgesamt habe ich von der Konferenz in mehrfacher Hinsicht profitiert: Ich erhielt wertvolles Feedback, Literaturhinweise und Einblicke in verwandte Projekte. Zudem konnte ich neue Kontakte knüpfen und die Präsentation meiner Arbeit in einem internationalen Umfeld erproben. Besonders bereichernd war, dass zentrale Themen des Kongresses – Machtstrukturen, Gerechtigkeitsfragen und Nachhaltigkeit – unmittelbar an mein Promotionsvorhaben anschließen.

Ein Bericht von Dilara Diegelmann

Lejla Smjecanin
Stabsstelle Stiftung und Fundraising I Bonner Universitätsstiftung
Dechenstraße 3-11
53115 Bonn

Tel.: +49 228 73-7889
E-Mail: l.smjecanin@uni-bonn.de

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